Berichte von 03/2018

30März
2018

Auf Wiedersehen Nepal???

Jetzt sind sechseinhalb Monate in diesem epischen Land, mit diesen tollen Menschen, mit neuen Freunden, viel Spaß und neuen Erfahrungen zu Ende...
Erkenntnisse, die ich mir nie erträumt hätte zu finden, habe ich hier gesammelt. Erfahrungen, die mir keiner mehr nehmen kann.
Diese Zeit wird mich für immer geprägt haben. In alle meine Entscheidungen und Überlegungen wird ab jetzt immer ein kleiner Teil dieser unvergesslichen Zeit mit einfließen.
Ich werde mich noch in Jahren gerne und mit Freuden an mein Abenteuer in Nepal zurückerinnern.?❤️
Von der Kultur, den Menschen und von dem Land selber konnte ich viel lernen!
Vorher war ich ja ein sehr planerischer Mensch und immer sehr organisiert...das bin ich immer noch. Für die nahe Zukunft habe ich bereits einen Masterplan aufgestellt, der mir für die nächsten Jahre eigentlich keine Freiheiten lässt! ABER....ich habe gelernt, dass man Pläne auch mal umschmeißen kann, dass man flexibel sein kann, dass man sich von anderen Umständen nicht aus dem Konzept bringen lassen muss. Ich habe gelernt, mit Spontanität und Früheifer umzugehen. Ich habe gelernt, Geduld zu haben und keine zu hohen Erwartungen zu haben.
Und mit wenig auszukommen... Ich brauche kein Badezimmer, ich putze gerne unter freien Himmel meine Zähne. Ich brauche nicht viel Varietät beim Essen, Dal Bhat schmeckt mir. Ich brauche nicht jeden Tag zu duschen. Ich brauche kein warmes Wasser. Ich brauche kein Zimmer für mich alleine. Ich brauche keine bequemen Busfahrten, ich fahre gerne Microbus. Ich brauche kein Kaffe, ich trinke auch gern Tee.☕️
Aber natürlich ist es auch schön wenn man das alles hat und es zu schätzen weiß!
Hier in Deutschland ist alles so anders und doch vertraut. Hier ist alles mehr. Mehr Klamotten zur Auswahl; mehr Autos; mehr Sauberkeit; mehr Menschen, die meine Spracht sprechen; mehr Meer; mehr Straßen; mehr Wolken; mehr Stress; mehr Blumen; mehr Diskussionen;.... aber mehr heißt nicht unbedingt besser.
Hier ist meine Familie, hier gehöre ich hin. Und doch hat Nepal einen Platz in meinem Herzen gefunden.❤️??Es ist ein Teil von mir geworden, so wie ich es mir nie hätte vorstellen können! Das Kinderheim, die Kinder, die anderen Volunteers...ich vermisse alles so schrecklich doll! Aber man kann nicht alles gleichzeitig haben und nichts hält für immer. Manchmal muss man Abschied nehmen, wenn es am schönsten ist. Dieser Lebensabschnitt ist beendet und es ist Zeit für etwas Neues! Es ist Zeit die Erfahrungen in Taten umzusetzen!
Jetzt startet ein neues Abenteuer...

21März
2018

Zahnarztbesuch

Zahnarzt! Ahhh?
Die Kinder aus dem Haus der Hoffnung gehen einmal im Jahr zu einem deutschen Zahnarzt. Der Zahnarzt arbeitet nur zu einer bestimmten Zeit im Jahr in Nepal im Sushma Koirala Memorial Hospital und ist den Rest der Zeit in Deutschland tätig. Von Kathmandu aus braucht man ca. eine Stunde mit dem Bus zu dem Hospital für plastische Chirurgie. Es wird unterstützt und finanzieret von einer deutschen Organisation. Das Prinzip ist Hilfe und Hilfe zur Selbsthilfe! Die deutschen Ärzte helfen den Patienten durch ihre Operationen und unterrichten/unterstützen die nepalesischen Ärzte. So könnte das Hospital irgendwann auf eigenen Beinen stehen. Es richtet sich hauptsächlich an die ärmere Bevölkerung Nepals, die sich sonst keine medizinische Versorgung leisten können. Alle Ärzte arbeiten komplett auf freiwilliger Basis. Fast täglich kommen hier zum Beispiel schwerverbrannte Menschen an, die hier versorgt und behandelt werden. Die Verbrennungen treten hier oft auf einem hohen Grad auf...es sterben in dem Krankenhaus im Monat um die 10 Menschen allein an Verbrennungen.
Aber nicht nur durch Fachwissen im Bereich der Medizin unterstützen die Deutschen die Nepalesen, sondern es arbeiten auch Ingenieure für die Organisation, die sich um alles drum herum kümmern. Die reine Medizin reicht nämlich nicht, um ein Krankenhaus nachhaltig führen zu können.
So wurde zum Beispiel 2016 eine Hauseigene Müllverbrennungsanlage in Betrieb genommen und eine Wasserfilteranlage gebaut. ?Der Sandfilter ist dazu da, das Grundwasser zu filtern, damit es mineralienfrei wird. Eine andere Anlage sorgt für keimfreies Wasser aus einer Quelle in der Nähe, dies wird durch kommunizierende Rohre geleitet und fließt durch einen weiteren Filter. Das Wasser kann so ohne Pumpe in einen großen Wassertank fließen und dort als Wasservorrat gespeichert werden, falls die elektrische Pumpe für das Grundwasser mal ausfällt.♻️
Ein weiteres Projekt, das gerade in der Testphase läuft, ist die überflüssige Wärme der Stromgeneratoren für eine Fußbodenheizung in den OP-Sälen zu nutzen. Außerdem hat das Hospital eine eigene Biokläranlage.

Da wir nicht mit 150 Leuten gleichzeitig dort auftauchen können, sind wir in zwei Gruppen dort hin gefahren. Die ersten waren letzten Dienstag an der Reihe und die anderen dann gestern. Manche mussten auch ein zweites Mal noch mit, weil ihnen noch weitere Zähne gezogen werden mussten...Smiriti zum Beispiel hat sehr schlechte Zähne, aber zum Glück noch Milchzähne...ihr wurden insgesamt 4 Zähne gezogen. Wir Volunteers waren zur Unterstützung und zum Händchenhalten dabei.?‍?‍? Alles in einem, war der Zahnarzt sehr zufrieden und nur 10% der Kinder hatten Zahnprobleme und mussten behandelt werden.
Ich bin auch froh, dass die Kinder hier das Zähneputzen lernen und auch regelmäßig zum Zahnarzt gehen!

11März
2018

Happy Holi und was sonst noch so geschah

Eines der größten und bekanntesten hinduistischen Feste Nepals ist jetzt schon über eine Woche her. Es war wirklich ein wundervoller Tag mit viel Spaß und vor Allem viel Farbe!?
Das bunte Fest der Farben wird gefeiert um den Sommer willkommen zu heißen und die triste, graue Winterzeit hinter sich zu lassen. Die Kälte wird vertrieben und der Sommer eingeläutet. ?
Auch wir haben mit einer riesigen Wasser-Farb-Schlacht die kalten Tage vergessen. Alle hatten einen höllen Spaß daran, sich gegenseitig Farbe ins Gesicht zu schmieren und mit Wasserbomben abzuwerfen. Es gab kein Entkommen vor den Kindern, die hinter jeder Ecke oder auf den Dächern standen und mit Eimern voller Wasser nur darauf warteten, dass ein Opfer vorbeiläuft. Aber auch Erwachsene machen da mit! Ob Jung oder Alt...das ganze Land ist an diesem Tag im Ausnahmezustand gewesen.
Wir Praktikanten konnten am Mittag nichtmal einen Fuß auf den Durbarsqare setzen!? Der Platz, wo es ein großes Konzert gab, war völlig überfüllt. Alle waren über und über mit Farbe bedeckt, so dass man kaum noch die Gesichter erkennen konnte und die Farbe Tage später immer noch auf der Haut und in den Haaren zu sehen war!?‍♀️ Einige von uns haben jetzt noch grüne oder lilane Haare...
Die Tage danach verliefen ziemlich ruhig und die Kids haben ihre Pre Tests geschrieben. Samstag und Sonntag war frei. An den freien Tagen haben wir Praktikanten mit den Kids eine der Wände angemalt und Dekoration für die Kinderzimmer gebastelt. Das war richtig niedlich.?
Leider muss ich aber auch noch kurz erwähnen, dass der kleine Sportplatz für die jüngeren Kinder bebaut wird. Mit ihm gehen die Tischtennisplatten und der Großteil der Spielfläche im Neuen Haus...die Kinder waren richtig traurig und jetzt wird eine Mauer gebaut, damit sie nicht mehr auf die Baustelle können und die Bauarbeiten auch nicht mehr sehen können. Jetzt müssen wir uns immer mit allen Kinder auf dem großen Sportplatz im Alten Haus arrangieren.⚽️????? Daran müssen sich die Kleinen erstmal gewöhnen....
Gestern zum Beispiel durften die Kleinen vormittags und die Großen nachmittags den Ground benutzen. Da wissen manche der Jungs sich dann nicht zu helfen und versuchen zwischen den Einradfahrern (mittlerweile haben wir 6 Einräder), den Bastelnden, den Memoryspielenden und den Carambordspielern auch noch Fußball zu spielen....

Am Donnerstag waren wir mit Ellen in einer Lepraklinik (Harpe-Kerkeling-Klinik) und auf dem Shanti Gelände, wo behinderte und leprakranke Menschen wohnen. Dort werden sie direkt versorgt, können handwerklich arbeiten (Karten bedrucken, Schmuck machen, weben, nähen,...) und ihre Kinder werden an der dortigen Waldorfschule unterrichtet.? Der gesamte Gebäudekomplex war mit aufwändigen, bunten Meiereien verziert. Dieser Ort wirkte trotz der schlimmen Schicksale sehr lebendig und fröhlich!

Ich bin jetzt dabei, meine letzten Mitbringsel einzukaufen und die schönsten Orte Kathmandus noch einmal zu besuchen.? Außerdem gehen wir hier noch ein paar mal essen. Es ist so lecker und günstig, dass ich das einfach noch ausnutzen muss!?
Es wird bestimmt erstmal ein Schock sein, wenn ich in Deutschland auf die Preise für öffentliche Verkehrsmittel gucke...Allgemein wird sich in Deutschland erstmal alles ungewohnt anfühlen, obwohl ich ja nur 6,5 Monate weg war. Es ist nämlich für mich schon zur Normalität geworden, wenn plötzlich ein Huhn auf den Tisch springt, während du isst oder eine Bande Straßenhunde auf dich zu rennt und dich anbellt oder dich ständig Leute ansprechen und fragen, woher du kommst und was du in Nepal machst. Auch das schlechte Englisch der Kids hat sich schon so in mein Gehirn eingebrannt, dass ich manche falschen Sätze gar nicht mehr rausbekomme. Und das Handeln im Laden werde ich auch vermissen! Oder, dass man einfach in jedem Café, jeder Bar, jedem Restaurant und jedem Hotel auf die Toilette gehen kann ohne dafür bezahlen zu müssen...oder das Dhal Bhat- Essen mit der Hand
Ich werde hier schon einige Sachen vermissen, aber auf vieles freue ich mich auch schon sehr!☺️