Berichte von 12/2017

19Dezember
2017

Nepalesische Hochzeit und der mutigste Sprung meines Lebens

Hallöchen ihr Lieben! Es ist Bergfest!!? noch 99 Tage sind es, bis ich schon wieder nach Hause fliege!??
Das macht mich zum einen traurig, aber ich freue mich auch schon sehr darauf, meine Freunde und Familie wiederzusehen.
In der letzten Woche hab ich viel erlebt und muss das einfach ein bisschen ausführlicher mit euch teilen:

Nachdem Anna, Leonie, Lu, Toni und ich am Freitagnachmittag auf der Dachterrasse Brändi Dog gespielt haben, uns mit unseren Didis unterhalten haben und ein bisschen rumgealbert haben, wurden wir von Binu Didi eingeladen, mit ihr in ihr Dorf zu der Hochzeit ihrer Nichte zu fahren.??
Es sollte Sonntag nach dem Frühstück los gehen und wir wären Dienstag wieder zurück. Zuerst dachten wir, es sei ein Scherz gewesen, bis sich dann Samstag herausstellte, dass sie es wirklich ernst meinte.?
Wir freuten uns alle riesig! Das einzige Problem war nur, dass Feli am Montag Geburtstag hat und eigentlich mit uns essen gehen wollte. Nach kurzer Diskussion entschieden wir uns aber dafür, dass es eine einmalige Gelegenheit ist und Feli es uns auch nicht übel nimmt, wenn wir mitfahren.
Also gingen wir Samstag schlafen in dem Glauben, wir hätten am Morgen vor dem Frühstück noch genügend Zeit zum packen. Aber Pustekuchen...? um halb 6 stand Binu Didi vor der Tür und verkündete, die Abfahrtszeit sei um 6:30 Uhr.
Na dann raus aus den Federn, zur Toilette und schnell Schlafsack, Schlafanzug, Zahnbürste und Jacke einpacken, damit wir pünktlich um 6:15 Uhr am Neuen Haus eine Milch trinken und uns noch ein Brötchen kaufen konnten.?
Natürlich kam Binu mit ihrer Tochter Dikshya, ihrem Sohn Dipesh, ihrem Ehemann und dem Bruder ihres Ehemannes erst um 7 Uhr die Straße hoch gelaufen. Wir nahmen dem Bus vom Buspark um 8 Uhr und besorgten vorher noch ein Geschenk für das Brautpaar, Tassen und eine Thermobox.
Auf den engen Bussitzen mit unseren, im Vergleich zu dem, was die Familie mit hatte, viel zu großen Rucksäcken auf dem Schoß fuhren wir in Richtig des kleinen Dorfes Nuwakort, wo die Familie des Ehemannes in einer kleinen Lehmhütte wohnt.
Die Busfahrt war mal wieder abenteuerlich! Zunächst fuhren wir raus aus Kathmandu in die Berge, dort wurde die Straße erst so schlecht, dass alle in ihren Sitzen auf und ab hüpften und dann so schmal, dass wir jedes Mal, wenn ein Laster oder Bus von vorne kam, unwillkürlich die Luft anhalten mussten.?? Aber die Aussicht aus dem Fenster auf die mit Schnee bedeckten Berggipfel war wunderschön!
Nach ca. 4h Fahrt, auf der ohrenbetäubend laut irgendein nepalesischer Film lief, kamen wir an einer Polizeikontrolle vorbei. Wir wurden angehalten. Dort sollten wir 2h warten, bis es weiter gehen konnte...während wir im Bus saßen, kamen mehrere kommunistische Protestgruppen an uns vorbei. Und jedes 2te Motorrad oder jeder 2te Roller hatte eine kommunistische Flagge mit aufgedruckten Hammer und Sichel oder einer Sonne.☀️ Ironischerweise hat die „Sonnen Partei“ eine Sonne als Zeichen und das hinduistische Symbol für die Sonne sieht genau so aus wie (wie viele ja wissen) das Harkenkreuz der Nazis. Also zogen an uns die Fahnen mit Harkenkreuz und Hamma und Sichel friedlich nebeneinander vorbei.?️
Früher als gedacht fuhren wir dann aber doch schon wieder weiter. Nur blöd, dass Dikshya und ihr Vater gerade den Bus verlassen hatten um noch auf die Toilette zu gehen....?‍♀️ ohne die beiden fuhr der Busfahrer unbeirrt den Hügel hinauf. Diksha und ihr Vater mussten uns nachrennen. Doch erst nach einer ganzen Weile und viel Protest unserer Didi hielt der Bus an, damit die beiden einsteigen konnten.
Als wir dann endlich nach ca. 6h Fahrt auf dem kleinen Dorfplatz ankamen, waren wir voller Vorfreude und sehr gespannt, was uns erwarten wird! Zunächst liefen wir noch etwa 15 min den Berg hinunter und kamen schließlich an einer kleinen Lehmhütte an, die kaum größer war als unser 6er Zimmer im Kinderheim.? Es gab zwei Räume. In dem einen wurden Töpfe und Nahrungsmittel gelagert und in der Ecke brannte ein kleines Feuer zum Kochen. Für die Hochzeit am nächsten Tag wurde allerdings draußen gekocht und Gemüse geschnitten.
In dem zweiten Raum stand ein Bett, ca. 140cm breit und eigentlich bestand es nur aus einer erhöhten Holzplatte. Dieser Raum war ca. 9 Quadratmeter groß, einhielt noch eine mittelgroße 2cm dicke graue Matte und wurde durch eine nackte Glühbirne beleuchtet. Es gab ein kleines Fenster.
Ein Waschbecken, geschweige denn Dusche gab es nicht. Das kleine Häuschen mit dem Stehklo war vor dem Haus und so niedrig, dass wir großen europäischen Mädchen uns bücken mussten um überhaupt durch die Tür zu gelangen.?
Fließendes Wasser gab es nur an einem 100m entfernten Wasserschlauch, durch den Wasser aus einem Fluss geleitet wurde.
Wir großen Mädchen mit unseren großen Rucksäcken hatten ohnehin schon den ganzen Tag die Aufmerksamkeit auf uns gelenkt, aber hier war es wohl am Höhepunkt angelangt. Wir setzten uns auf die Kante vor dem Haus und mindestens 10 Leute standen um uns herum und glotzten uns an, als seien wir eine Attraktion im Zoo. Wir versuchten mühselig heraus zu finden, wer jetzt in welchem Bezug zu wem steht und wer mit wem verwand ist. Aber so richtig klappte das nicht, da natürlich auch nur wenige englisch sprechen konnten.
Uns klebte ab der ersten Minute ein kleines stark geschminktes Mädchen mit einem schicken Kleidchen und hochhackigen Schuhen an den Hacken und wollte uns nicht mehr alleine lassen. Sie konnte kein Wort verstehen, was wir sagten, aber das störte sie nicht. Munter laberte sie uns auf Nepali voll und folgte uns überallhin. Sie war aber wirklich süß!
Wir packten unsere Sachen in das kleine Schlafzimmer und machten uns auf Umgebungserkundung.?
Der Mann unserer Didi, wir und die Kinder (Dikshya, Dipesh, das kleine geschminkte Mädchen und ihre kleine Freundin) liefen auf den engen Trampelpfaden durch die Treppenfelder. Wir begegneten immer wieder neugierigen Dorfbewohnern mit Ziegen oder Wasserkrügen Bzw Erntekörben auf dem Kopf. Der Ausblick war wunderschön und wir sahen traumhaft schön die Sonne hinter den grünen Hügeln untergehen.?
Nach Sonnenuntergang, unsere Mägen knurrten schon vor Hunger, gab es dann endlich Essen! Es gab Selrori mit Kichererbsen, Blumenkohl und Reis. Für die Familie (wir sind alle Vegetarier) gab es frisches Hühnchen, welches kurz vor dem Kochen erst vor unseren Augen geschlachtet wurde.?
Nach dem Essen, bei dem wir übrigens auch von allen angestarrt wurden, wurde dann unser Bett hergerichtet. Wir sollten alle 5 auf der dünnen grauen Matte auf dem Boden schlafen, Dikshya, Dipesh, ihre Mutter, dessen Schwester und ihre Tochter sollten in dem Bett bzw auf den Reissäcken davor schlafen.
Erstaunlicherweise passte das ganz gut. Wir sorgten auch nochmal für Aufsehen, als wir unsere bunten Schlafsäcke auspackten. Wie ein Regenbogen lagen wir dann da nebeneinander in Gelb, Blau, Rot oder Grau und jeder kam nochmal zu Tür herein um uns anzustarren.
Wir entschieden uns einfach das nächtliche Treiben der anderen Gäste (es waren insgesamt ca. 30 Leute an dem Abend im und ums Haus verteilt) zu ignorieren. Die kleine Glühbirne im Zimmer brannte die ganze Nacht, die Tür stand stets offen und draußen wurde in Dauerschleife immer das selbe Lied gesungen und mit Trommel begleitet. Zwischendurch kam auch immer mal ein Huhn ins Zimmer stolziert oder irgendjemand holte ein neues Bier unter dem Bett hervor. Kurzum, die Nacht war hart und laut! Denn der Gesang draußen hörte und hörte nicht auf! Die meisten der Gäste haben durchgemacht. Einige legten sich dann morgens um 5:30 Uhr, als wir aufstanden, noch für 1-2h hin....
Für uns begann der Tag mit packen, denn der Raum wurde ja tagsüber für andere Sachen benutzt. Dann ging es auf einen Morningwalk! Dieser sollte, wie sich nach 30min Wanderung herausstellte, auf den nahegelegenen Hügel hinauf gehen, von wo aus man einen perfekten Blick ins Tal und auf die umliegenden Schneegipfel haben sollte.? Doch ganz bis oben schafften wir es dann nicht. Dikshya, das kleine Mädchen und Dikshyas Cousine hatten nämlich ihre Festtagschuhe an, in denen ICH nie im Leben überhaupt wandern gehen würde!!?
Auf dem Rückweg aßen wir um 9 Uhr zum Frühstück Kartoffeln mit Kichererbsen und einen Doughnut (für 10NRS) in einem kleinen Staßenladen mit Panoramablick. Das war echt lecker!
Zurück am Häuschen angekommen, machten wir es uns draußen auf einer Matte gemütlich und genossen einfach noch ein bisschen den Tag.
Ab 12 Uhr trudelten dann Gäste aus dem ganzen Dorf ein. Die Frauen trugen hauptsächlich schicke rote Saris und die Männer Anzug. Binu und ihre Familie hatten übrigens schon seit Sonntagmorgen ihre Festkleidung an.
Nachdem der Bräutigam mit seiner Familie und Freunden der Familie angekommen war, versammelten sich alle vor der Lehmhütte und warteten gespannt auf die Braut. ??
Diese wurde stark geschminkt, mit einem rotgrünen Schleier vor dem Gesicht und einem wunderschönen roten Sari von Binu durch die Menschenmenge zu der mit Bambusästen eingezäunten Traustätte geführt (es waren mittlerweile so 50 Gäste anwesend).
Die Bambusäste steckten in einem Viereck ausgerichtet im Boden und waren mit Girlanden aus Blättern, Blumen und Früchten verbunden. In der Mitte brannte ein kleines Feuer. Die Braut musste zunächst 3 mal das Viereck umrunden und sich dann neben ihren zukünftigen Ehemann auf ein niedriges Holzbett setzen. Sie sah so unglücklich aus...so passiv...wie sie so starr auf ihre mit Henna verzierten Hände starrte...?
Die Hochzeit war nämlich von den Eltern arrangiert. Die beiden „Verliebten“ hatten sich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie zuvor gesehen. Für uns europäische Mädchen völlig unvorstellbar, doch hier scheinbar etwas ganz normales. Auch, dass die Braut 20 und der Bräutigam mindestens 35 war interessierte keinen. Die Hochzeit dient hier nur dem Zweck. Er sorgt für sie, sie sorgt für ihn und gemeinsam werden sie Kinder haben, damit die Familie eine nächste Generation hat.
Die meisten akzeptieren diese Tradition und sind sogar der Meinung, dass es besser ist, wenn ihre Eltern den Ehepartner aussuchen, weil diese mehr Erfahrung haben.
Trotzdem war es sehr traurig, als die Braut am Ende des Tages auf einem stählernen Sitz von den Männern ihrer Familie davon zum Haus ihres Ehemannes getragen wurde. Sie hat bitterlich geweint und auch die Mutter und andere Frauen sind vor Trauer zusammen gebrochen. Sie fängt jetzt ein neues Leben an. Ohne ihre Mutter, ohne ihre Familie und sie weiß genau, was ihr in dieser Nacht noch bevorstand.
Die Stimmung war aber nur zu dem Zeitpunkt etwas beklommen. Ansonsten wurde nämlich getanzt, gegessen, getrunken und gefeiert, als wäre es der schönste Tag in ihrem Leben. Nur das Brautpaar selber hielt sich zurück. Nach dem Eheritual, bei dem sie sich am Ende gegenseitig eine Blätterkette um den Hals hängten, saßen die Beiden wieder auf dem Bett, nahmen ihre Geschenke (hauptsächlich Vasen) und die Tika entgegen. Die Gäste wuschen ihre Füße und steckten der Braut oder dem Bräutigam Geld zu.??
Das Festtagsessen war Reis mit Erdnüssen, Rosinen, Datteln und Kokosnuss; dazu gab es gekochten Blumenkohl, Kichererbsen und Pikels. Und das absolute Highlite war der Litschisaft, der uns alle 5 min nachgeschenkt wurde.? Wir hatten schon Angst, die ganze Nacht auf Klo zu müssen.?
Gegen Abend, als das Ehepaar und die Familie des Ehemannes nach Hause gegangen waren, tanzten die Cousins und Cousinen des Mannes von Bunu noch ausgelassen zu den neusten nepalesischen Liedern und brachten uns nepalesisches Tanzen bei.?? Nepalesen haben den Hüftschwung einfach angeboren! Wir fühlten uns alle etwas unterlegen mit unseren gezwungenen, steifen Bewegungen zur lauten Musik.
Irgendwann wurde für uns das kleine Schlafzimmer geräumt, wir betrachteten den spektakulären Sternenhimmel mitten im nirgendwo und machten es uns wieder in unserem Schlafsäcken auf dem steinharten Lehmfußboden gemütlich.??
In dieser Nacht war zumindest das Licht aus und die meiste Zeit die Tür zu, doch dafür war die Musik draußen um so lauter! Ein weiteres Mal machte der Großteil der Festgesellschaft die Nacht durch.
Wir durften am nächste morgen aber immerhin ausschlafen. Erst gegen 8 Uhr wurden wir von den Kindern geweckt. Wir frühstückten die Reste vom Vortag und schauten noch zu, wie alle Männer der Familie und anschließend ihre Frauen eine Tika bekamen. Dann brachen wir so gegen kurz nach 9 Uhr auf, denn der Bus sollte um 10 Uhr auf dem Marktplatz los fahren. Schnell noch einen Donut für die Fahrt und los ging es.?
In dem völlig überfüllten Bus quetschten wir uns zu 7. in die letzte Reihe. Im Gang standen noch diverse Leute als auch Milchkrüge und Rucksäcke herum. Wir hatten kaum Platz für unsere Beine. Unsere Rucksäcke hatten wir zum Glück in den verstaubten Gepäckraum des Busses gepackt.?
Schlaflos und mit schmerzenden Knien verbrachten wir dann 6,5h in diesem stickigen Fahrzeug, bis wir um 17 Uhr wieder im Haus waren.
Dort angekommen ging es direkt wieder los nach Thamel. Felis Geburtstag nachfeiern.?
So lange durfte der Abend für mich aber nicht gehen, denn am nächsten morgen um 5 Uhr stand schon das nächste Abenteuer an!
Um 5:15 Uhr nahmen Laura, Mattis, Lasse und ich ein Taxi Richtung Thamel, wo wir dann in des Bus zum Last Resort einstiegen. Die Busfahrt war für nepalesische Verhältnisse relativ entspannt und dauerte auch nur 4h.
Heute stand der mutigste Sprung meines Lebens an! ?Schon als wir die Brücke nur betraten und 300m tief in die Schlucht hinunter schauten hatten wir alle schon zittrige Knie. Auch den anderen war der Respekt vor der Höhe deutlich anzumerken. Nach einer kurzen Einführung wurden wir gewogen und nach Gewicht in zwei Gruppen eingeteilt. Lasse und ich waren in der ersten Gruppe, aber die anderen waren auch schon mit auf der Brücke, da diejenigen, die The worlds highest Canyon Swing machen wollten auch in der ersten Gruppe sind.
Da standen wir also...blickten immer wieder in die Tiefe und warteten gespannt, bis der Erste springt. Der Schwerste war zuerst dran mit dem Bungysprung. Ich atmete schon durch, dass ich erst so im Mittelfeld dran sein sollte, aber wie man Nepal schon kennt, wurde ich natürlich entgegen aller Erwartungen als nächste aufgerufen. Ich war nämlich die einzige, die nur die Swing gemacht hat und nicht noch den Bungysprung. Jetzt war ich also die erste, die an dem Seil für den Sprung an der Schaukel fest gemacht wurde. Da war ich sogar noch relativ ruhig und machte noch Späße mit dem ca. gleichalterigen Engländer, der nach mir den Bungysprung machen sollte. Doch das änderte sich so plötzlich als ich vorne an der Kante stand und der Guide anfing bis 3 zu zählen. Ich hatte Todesangst sag ich euch!
Ohne zu zögern und überhaupt ohne genug Zeit zu haben wirklich zu realisieren, was ich hier gerade mache, sprang ich auf Kommando in die Luft. Mir Verschuldung es die Stimme. Ich konnte erst schreien, als der endlos erscheinende freie Fall zu Ende war. Das Gefühl ist unbeschreiblich!✈️ Ich genoss es dann noch den anderen von unten zuzuschauen.?
Anschließend gab es Nudelsalat, Pommes und Gemüse zum Essen!? So gegen 15/16 Uhr ging es dann auch schon wieder zurück nach Kathmandu.
Die folgenden Tage verliefen unspektakulär. Wir lernen mit den Kindern im Moment für die Exams nächste Woche und haben Sonntag Plätzchen für alle zu Weihnachten gebacken.?
Jetzt müssen wir nur noch das kleine Krippenspiel bis zum 25.12. einstudieren und dann sind wir perfekt vorbereitet auf Weihnachten in Nepal.???
Ich wünsche euch allen eine wundervolle Weihnachtszeit, friedliche Festtage und einen guten Start ins neue Jahr 2018?

07Dezember
2017

Weihnachtszeit, Ferien und Klosterbesuch

Frohe Vorweihnachtstage euch allen!??
Hier ist es mittlerweile auch kalt geworden, die Kinder haben schon Mützen auf, die Tage zählen nur noch gute 10h und wir Volunteers sitzen jetzt immer öfter abends zusammen, schauen Filme, spielen Spiele, trinken Tee und hören Musik. Ein wenig warme weihnachtliche Stimmung kommt dann schon auf.❤️
Vom 24.11. bis zum 27.11. hatten die Kinder ja frei und wir haben tatkräftig versucht alle Kinder gleichzeitig mit einem Fußball- oder Völkerballturnier Bzw. einer Miniolympiade zu beschäftigen. Das funktionierte mal ganz gut und mal eher nicht so, denn oft scheitert es bei dieser Menge an aufgedrehten Kindern schon an der Gruppeneinteilung...? Aber unser kleiner Auftritt in einem nepalesischen Musikvideo war ein voller Erfolg!? Das Video ist sogar schon seit gestern online und ist gar nicht mal soo schlecht geworden, wie wir alle vermutet haben...(wer den Link dazu haben möchte, kann mich gerne anschreiben)?
Lucy und ich waren dann am Dienstag im Pashupatinath, einer der hinduistischen Hauptverbrennungsstätten am heiligen Fluss Bagmati. Dort haben wir uns mehrere Zeremonien angesehen und die Aufbahrung als auch die Verbrennung von der gegenüberliegenden Seite des Flusses beobachtet.⛩ Es war ein sehr ergreifendes Gefühl. Der Geruch von verbranntem Fleisch lag in der Luft und ein wenig beklommen nahmen wir das Spektakel so in uns auf. Dies brachte uns zum Nachdenken und warf das Thema „Tod“ auf...es war ein sehr spannender Ausflug. Wir spazierten noch ein wenige durch die Tempelanlagen und aßen auf dem Rückweg noch ein nepalesischen süßen frittierten Teigtaler mit Kümmel, der im Übrigen gar nicht so schlecht schmeckte.??
Am Mittwoch war dann Tabeas Geburtstag, an dem wir mittags Waffeln essen waren und ihr einen Kinogutschein geschenkt haben.
Donnerstag sind wir (der Großteil der Mädchen) zusammen ins Kino zu „Coco“ gegangen. Das war eine tolle Aktion!? Der Film war schön, das Karamellpopkorn einfach nur göttlich und das Kino war wunderschön. Das Kino hatte 5 Säle, sehr saubere Toiletten und befand sich in deinem Einkaufszentrum. Als ob wir noch nie ein Einkaufszentrum gesehen hätten, liefen wir durch die breiten Flure und staunten, als wir sogar einen echten Zara entdeckten! Das werden wir wohl nochmal wiederholen müssen, denn das beste an der ganzen Sache war, dass ich für Busfahrt (Hin und Zurück), einen Vegetarischen Wrap, eine Tüte Karamellpopkorn und den Kinoeintritt nur weniger als 6€ gezahlt habe.??
Freitag war Ruhetag.
Samstag packte uns dann das Weihnachtsfieber und wir gingen da tatsächlich auf einen Weihnachtsmarkt. Dieser erinnerte jedoch bei 20 Grad, blauen Himmel, Sonnenschein und fröhlich bunten Farben auf der grünen Wiese eher an ein Frühlingsfest.? Es war aber trotzdem schön! Wir probierten uns von Honig über Kekse bis hin zu Zuchinibrot durch alle Stände durch, kauften Kuchen und hörten Weihnachtsmusik über die mitgebrachte Box. Anschließend waren wir noch zum Abschied von Ben essen. Wir mussten über 1,5h auf unser Essen warten...aber mit Kartenspielen und Reden vertrieben wir uns ganz gut die Zeit.??
Und dann war schon der erste Advent! Nachdem wir unsere Hände zum Anlass von Lauras Geburtstag über und über mit Henna vollgemalt, eine Mangotorte gegessen und noch ein bisschen geschlafen hatten, gingen wir am Abend im Himali Kitchen essen. Die meisten von uns bestellten Dal Dedo, das ist genau wie Dal Bhat, nur, dass man an Stelle des Reises eine graubraune kneteähnliche Masse aus Buchweizen zum Gemüse und Dal serviert bekommt.?
Montag war ich mit Janina in Thamel und hab mein Wichtelgeschenk besorgt und dann haben wir uns spontan entschieden von Dienstag auf Mittwoch in einem Kloster zu übernachten.
Luisa, Janina und ich machten uns also Dienstagmorgen nach dem Frühstück auf den Weg zum Namo Buddha Kloster. Wir waren 2h mit dem Bus und dann ca. 4h zu Fuß unterwegs, bis wir die wunderschöne mitten in den Bergen gelegene Klosteranlage erreichten.⛩ Zunächst nahmen wir am Abendgebet Teil. Wir genossen die atemberaubende Stimmung in dem mit goldenen Buddhastaturen, Mandalas und Holzschnitzereien verzierten Gebetsraum, wo die jungen Mönche (im Alter von ca. 12-30 Jahren) auf bunt verzierten Teppichen an kleinen roten Holztischlein saßen und ihre Gebete in Form von Gesagt vortrugen.??‍♂️? Es gab für die Gläubigen Brot und Tee und zwischendurch erfüllte der Klang einer großen metallnen Trommel oder Blasinstrumenten den Saal.
Um 18 Uhr gab es dann mit allen Mönchen und anderen Besuchern zusammen Abendessen. An den kleinen Holztischen in dem schwarz-weiß gefliesten Raum aßen wir aus silbernen Metallschüsseln eine Nudelsuppe mit selbstgemachten Nudeln, Linsen und Bohnen.? Es schmeckte köstlich!
Nach dem Essen nahm ich dann die zweite warme Dusche hier in Nepal! Einfach nur traumhaft mal warmes Wasser zu haben!?
Am Morgen nach einer Nacht in einem weichen warmen Bett genossen wir den feuerrot leuchtenden Sonnenaufgang hinter den Bergen von der Dachterrasse aus.?
Wir gingen wieder zum Gebet, welches um 6 Uhr gestartet hatte, und aßen zum Frühstück mit den Mönchen Hefedampfnudeln mit Linsen-Kartoffel-Suppe und Buttertee (Milch mit Fett). Zum Nachschlag boten mir ein paar von den jüngeren Mönchen sogar Nussnugatcreme zu den Teigklößen an.? Da hab ich natürlich nicht nein gesagt. Es schmeckte, als würde man süße Nudeln mit Nutella essen.
Nach dem Frühstück entspannten wir noch ein Weilchen in dem sauberen Klosterzimmer mit Panoramablick, bis wir dann gegen 11 Uhr wieder den Rückweg antraten. Am liebsten wäre ich für immer an diesem friedlichen Ort geblieben...
Wir liefen auch an diesem Tag wieder eine sehr schöne Strecke zurück nach Panauti, wo wir so gegen 14:30 Uhr den Bus zurück ins verstaubte Kathmandu nahmen.?
Nachdem wir dann zurück im Haus waren und unsere Sachen ausgepackt hatten, ging es schon direkt wieder weiter ins OR2K zum Essen mit fast allen Volunteers. Ein perfekter Abschluss für diesen tollen Tag!?
Heute (Donnerstag) sind die Wahlen in Kathmandu. Die Kinder haben frei und in der ganzen Stadt dürfen keine Autos fahren. Wir durften auch das Grundstück mit den Kindern nicht verlassen, da es zu gefährlich sei, heute auf die Straße zu gehen. Vor zwei Tagen hatte schon eine selbstgebaute Bombe drei Menschen schwer verletzt...
Also haben wir die Kids hier im Haus beschäftigt. Wir haben gemalt und eine SHN(Self-Help-Nepal) Talentshow veranstaltet.?? Es wurde natürlich hauptsächlich getanzt!
Morgen und übermorgen haben die Kinder auch noch frei und dann beginnt ab Sonntag wieder der Alltag.
Bis bald meine Lieben und genießt die Weihnachtszeit im kalten Deutschland.?❄️