Berichte von 11/2017

24November
2017

Nepalesische Spontanität

Hello my Friends?‍♀️
Es sind schon fast wieder 3 Wochen rum, seit ich aus Pokhara wieder da bin...wie die Zeit fliegt...
Und obwohl in dieser Zeit eigentlich nicht viel passiert ist, möchte ich euch dennoch auf dem Laufenden halten.?
Meine Weihnachtsgeschenke für die Familie sind abgeschickt und auch die vielen Weihnachtskarten folgen in Kürze. Es sind zwar tagsüber in der Sonne immer noch 25 Grad und von Weihnachtsstimmung kann hier schonmal gar nicht die Rede sein, aber so richtig will man auch hier die Weihnachtszeit nicht auslassen. Das ist wohl das aller traurigste an meiner Reise...Weihnachten nicht mit der Familie und mit Freunden verbringen zu können.? Aber auch das werden wir Praktikanten gemeinsam hin bekommen! Wichteln und Keksebacken stehen schon auf dem Plan für die Adventszeit.? Wir sind ja mittlerweile auch alle schon Freunde geworden.
Aber jetzt nochmal zurück zu den letzten 2 einhalb Wochen:
Zunächst war ich mit meinen Magenschmerzen und Verdauungsproblemen im Krankenhaus zur Untersuchung. Und wie man sich das in einem Drittlandkrankenhaus so vorstellt, wurde mir auf dem Gang Blut abgenommen? und überall lagen Pflaster und Plastikdeckel auf dem Fußboden herum. Ein Einzelgespräch hatte ich dann aber sogar mit dem Arzt in einem Extraraum mit Schreibtisch, Computer, 3 Stühlen und einer Krankenliege. Nach der Erläuterung meiner Beschwerden und einer Blut- sowie Stuhluntersuchung bekam ich direkt drei verschiedene Medikamente verschrieben, die ich jeweils 2x am Tag nehmen musste.? Es war, als müsste ich Steine Schlucken, so groß waren die Kapseln mit undefinierbaren Inhalt. „In einer Woche sollten Sie wieder kommen, sollte sich keine Besserung zeigen“, so der Docktor (natürlich in gebrochenem Englisch).
Doch als ich dann letzte Woche wieder im Krankenhaus eintraf, hieß es, der Doktor sei bis zum 23.11.17 außer Haus. Ich solle doch bitte einen Termin für den 23. machen lassen. Aber auch gestern, ich hatte einen Termin um 10 Uhr, war der Arzt nicht anzutreffen. Naja, dann eben ein anderer. Die Gebühren im Höhe von 25 USD waren wieder fällig und dann konnte ich endlich einen Arzt sprechen. Dieser verschrieb mir 4 neue Medikamente, die ich wiederum jeweils 2x am Tag nehmen soll.?‍♀️ Die Medikamente nehme ich jetzt seit gestern und ich bin gespannt, ob sich diesmal eine Besserung bemerkbar macht...
Parallel zu alle dem war ich im zehnt größten Club Asiens (wir hatten freien Eintritt und eine VIP-Launge) feiern und habe mich spontan entschieden nächstes Jahr für 3-4 Wochen in ein kleines Dorf mitten im Nirgendwo zu gehen, um dort an einer Dorfschule Englischunterricht zu geben.?‍? Alle Gespräche und Vorbereitungen dafür liefen bisher ziemlich nach Plan. Wir werden für eine Woche Anfang Dezember dort hin fahren und uns dort alles mal genauer angucken. Tatsächlich starten soll die Aktion allerdings dann im Januar oder Februar.☺️ Mal gucken, ob da was draus wird. Man kennt ja die Spontanität der Nepalesen.?
Apropos spontan...ab heute sind für die Kids plötzlich Ferien. Davon wusste nur bis zum Frühstück leider keiner. Aber wir sind ja auf alles vorbereitet und haben auch das locker hin genommen. Die freien Tage gehen noch bis einschließlich Montag, da Wahlen in den ländlichen Regionen Nepals sind. Das war auch der Grund, warum Leonie und Feli ihren geplanten 4wöchigen Trip in ein kleines Dorf nicht antreten konnten. Es komme nämlich auch hier vor großen Wahlen oft zu Ausschreitungen, die vor Allem auf dem Land sehr ausgeprägt sind.?
Im Dezember am 7. sind dann die Wahlen in Kathmandu und die Kids haben voraussichtlich vom 5.-9.12. frei.
Heute wurde Sophie zufällig (auch spontan) von einem Bekannten gefragt, ob sie in einem Musikvideo mitspielen möchte. Das lässt man sich natürlich nicht entgehen und sie hat sogar arrangiert, dass noch mehr Volunteers mitmachen dürfen. Da waren wir heute also in einem Kleinen Studio am Rande von Thamel und tanzten als Statisten im Hintergrund einer Liebesscene in einer „deutschen“ Disco. (Das Video kommt wohl nächste Woche online) Danach ging es dann auch noch richtig feiern!?

Und noch eine spontane Entscheidung: Viele haben es sicher schon mitbekommen, aber hier nochmal offiziell; Ich habe meine Haare mit Henna von Didi Mama rot färben lassen und bin stolz darauf! ?Ich bin zwar kein neuer Mensch dadurch, aber irgendwie ist es cool, in den Spiegel zu gucken und nicht immer die langweiligen straßenköterblonden Haare zu sehen, sonder richtig knalliges dunkles Rot. Welches übrigens perfekt zu meinem neuen Pulli passt, den ich mir für den Winter gekauft habe. ?Mit einer dünnen Fließjacke kommt man hier nämlich tatsächlich doch nicht aus. Nachts haben wir schon um die 5 Grad im Haus und man merkt richtig, wie es Nacht zu Nacht kälter wird. Das Wasser aus der Dusche ist jetzt auch schon fast unerträglich kalt, ich Dusche nur noch tagsüber und auch nicht mehr so oft.? Seit nach dem Trek bin ich da ziemlich entspannt geworden...

Ansonsten ist nicht viel passiert in der letzten Zeit. Ich habe meine freie Zeit hauptsächlich zum Lesen, Englischvokabeln lernen und Briefe schreiben genutzt. Saß Vormittags oft draußen in der Sonne und bilde mir sogar ein, noch ein bisschen brauner an den Armen geworden zu sein.☀️
Mal gucken, was die nächsten Wochen so bringen!

09November
2017

ABC und Pokhara?

Hallo zusammen!?
Wir haben es geschafft! Den ganzen Weg von Nayapul über den Poon Hill bis rauf zum Annapurna Base Camp (ABC) und wieder zurück haben wir mit viel Motivation, Ehrgeiz, Selbstbewusstsein und Schweiß bewältigt.? Die Natur in den Bergen ist gigantisch! Einfach atemberaubend schön, wie die Wasserfälle von den steilen Klippen stürzen, der Schnee meterhoch die 8000er Berggipfel bedeckt und die Pflanzen urwaldmäßig die Bergfüße säumen. ? Sobald wir höher als die Waldgrenze kamen änderte sich die Umgebung vom saftigen Grün in eine mit Eis überzogene gelbe Gräserlandschaft. Das war so ab 4000m Höhe! In der Nacht war es dort oben -3 Grad kalt und die Bäche waren eingefroren. Doch das frieren hat sich gelohnt!?
Aber jetzt nochmal von vorne...
Am 25.10.2017 ging es früh morgens mit dem Turi-Deluxe-Bus los von Kathmandu in Richtung Pokhara.?
Ich glaube als Außenstehender kann man sich gar nicht vorstellen, wie ungemütlich diese Höllenfahrt über den Highway war! Die jungleähnliche Vegetation am Straßenrand war überall von einer 2cm dicken Staubschicht überzogen, weil so viel Verkehr auf den engen, trockenen Bergstraßen herrscht.
Bergauf, bergab, über Geröll, Steine, Sandwege, Kies und sogar manchmal über asphaltierte Straßen fuhr unser Bus mit maximal 50km/h und ca. 40 Personen unbeirrt immer geradeaus Richtung Ziel. An Schlaf war da nicht zu denken, wenn man manchmal in 40 Grad Schräglage herumfuhr, um einem entgegenkommenden Bus oder LKW auszuweichen oder in der Straße metertiefe Löcher Bzw. meterhohe Absätze im Asphalt waren, sodass jeder im Sitz ohne Anschnallgurt für eine kurze Zeit schwebte und sofort wieder unsanft in den Sitz knallte.??
Und wenn man dann doch mal die Augen geschlossen hatte, musste man aufbrassen, beim Öffnen keinen Herzinfarkt zu bekommen...Denn manchmal schaute ich nach kurzer Zeit wieder aus dem Fenster und der Bus fuhr nicht mal einen halben Meter vom mindestens 50m runtergehenden Abhang entfernt. Die Straße war so schmal, dass sich die etlichen Turibusse, die auf der Strecke unterwegs waren, beim Entgegenkommen fast mit den Außenspiegeln berührten. Obwohl man es nicht glauben kann wurde hier aber zu allem Übel noch überholt!? Es gilt: Wer am lautesten Hupt hat Vorfahrt.
Nach ca.7h kamen wir dann endlich an, erkundeten noch ein bisschen die Stadt am Fewa-See und gingen dann aber früh schlafen, damit wir fit für den nächsten Tag waren.
Donnerstag ging es dann wirklich richtig los und wir bewältigten die erste Tagesstrecke in weniger Zeit als gedacht.?
Unser Guide (Shuda) fing schon an uns zu loben! Shuda ist 25 Jahre alt, kommt aus einen kleinen Dorf im Everestgebiet und hat mit 15 angefangen Porter zu sein. (Porter sind die armen Kerle, die für die reichen, faulen Touristen für super wenig Geld deren Sachen auf den Berg hoch schleppen.) Die meisten Porter sind Jung und haben kein Geld für gutes Wanderequipment...es kommt dann auch häufiger mal vor, dass Porter auf dem Weg wegen der Eiseskälte sterben. Vor 10 Jahren gab es für die Porter auch noch keine Vorschriften. Das Maximalgewicht von 30kg wurde erst vor einigen Jahren eingeführt. Vorher mussten Shuda und seine Kollegen manchmal über 50kg schleppen. Shuda meint, er kann froh sein, dass er noch lebt und es sogar geschafft hat seine Guidelizenz zu bestehen. Seit 6 Jahren ist er jetzt schon Trekkingguide und sein größter Traum ist es, den Everest bis zum Gipfel zu besteigen. Das ist aber viel zu teuer für ihn und als Kletterguide ist er nicht ausgebildet und die Lizenz ist auch zu teuer...
Die nächsten Tage wanderten wir immer so 4-6h pro Tag bergauf und bergab bis zur nächsten Lodge.? Der Weg führte an Wasserfällen und kleinen Hütten vorbei, mal über Hängebrücken oder Baumstämme, durch dichten Jungle, am steilen Abhang entlang oder über freie Felder, auf denen hauptsächlich Reis angebaut wird.?
Am schwierigsten gestalteten sich die Treppen, die ohne Gnade steil am Berg hinauf gingen und uns immer wieder auf unserer Wanderung begegneten. Wie ein nasser Sack schleppte ich mich da manchmal die Stufen hinauf! Ich schwitzte aus allen Poren. Egal bei welchem Wetter. Und meine wenigen Klamotten waren immer nass, sodass es abends, wenn die Sonne weg war immer sofort kalt wurde. ⛅️
Es ist ein Wunder, dass wir nicht alle vier total erkältet sind! Vor allem, weil wir in Kathmandu noch totalen Husten hatten.
Die Zeit war wirklich unvergesslich und endete nach einem 3tägigen Abstieg und einer 1,5h-stündigen Autofahrt wieder in Pokhara. Dort blieben wir noch zwei Nächte in einem Hotel mit warmer Dusche und weichen Betten.
Nach 10 Tagen schwitzen, stinken und ohne duschen oder Haare waschen, bekamen für mich das warme Wasser und Shampoo/Duschgel einem ganz neuen Wert!?
Wie neu geboren machten wir uns dann noch am Abend auf den Weg ins nächstbeste Restaurant, um uns da erstmal fett Pommes und Bürger (natürlich vegetarisch) zu gönnen!
Am nächsten Tag stand dann Tabeas und mein absolutes Highlight an!? Paragliding!
Um 9 Uhr waren wir nach einem traumhaften Frühstück abfahrtbereit und warteten auf den Van, der uns am Hotel abholen sollte. Der kam aber nicht...Um 9:45 Uhr führte uns dann ein Mitarbeiter der Paraglidingorganisation einmal um das Haus herum zum Office. Dort warteten wir noch weitere 1,5h, liefen noch für eine Stunde zum See runter, genossen die Sonne und liefen wieder zurück.
Um 12 dann endlich kam der Van und es ging tatsächlich los!? Allein die Hinfahrt war schon abenteuerlich! Zu 4t auf der Rückbank, 4 Leute im umgebauten Kofferraum und Zweien auf dem Beifahrersitz ging es die steile, kurvige Straße zum Startpunkt hinauf.?
Dort wurden wir unseren Guides zugewiesen und bekamen die Gurte angelegt. Und schon ging es los: Auf das Kommando „RUN“ lief ich los und saß plötzlich in der Luft.?
Es war so unglaublich toll einfach durch den Himmel zu gleiten, als säße man in einem Sessel und guckt sich ganz entspannt die Welt unter sich an.
Die Schneeberge hat man um die Uhrzeit schon nicht mehr so gut gesehen, weil Wolken davor gezogen sind. Aber das war egal! Die Aussicht auf den See, die Stadt und die Berglandschaft war trotzdem atemberaubend!?
Anschließend gingen wir im OR2K essen und genossen noch den Sonnenuntergang auf einem kleinen Paddelboot mitten auf dem Fewa-See.?
Am Abend und am nächsten Tag ging es meinem Bauch leider so schlecht, dass ich früher ins Hotel musste und mich zum Glück auf der Busfahrt etwas ausruhen konnte.
Jetzt bin ich schon seit Montagabend wieder zurück und habe schon bald ein Drittel meiner Zeit hier in Nepal rum!?
Soweit soll’s erstmal gewesen sein zu meinem Kurzurlaub im Himalaya, ich muss ja auch noch was zu erzählen haben, wenn ich wieder zurück nach Deutschland komme. Bis bald?